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WEIHNACHTSbotschaft
des Ökumenischen Patriarchen

+ B a r t h o l o m a i o s
durch Gottes Erbarmen
Erzbischof von Konstantinopel, dem Neuen Rom,
und Ökumenischer Patriarch
allem Volk der Kirche
Gnade, Friede und Erbarmen
von Christus,
Unserem in BETHLEHEM gebORenen Erlöser

* * *

Brüder und im Herrn geliebte Kinder,


staunend und voller Bewunderung stehen wir ganz besonders in diesen Tagen der Menschen und Engeln unbegreiflichen Entäußerung des Fleisch gewordenen, aus der Jungfrau hervorgegangenen und in die Krippe der vernunftlosen Tiere gelegten göttlichen Wortes gegenüber. Doch während wir Gläubigen das freudige Ereignis feiern, dass heute unser Heiland aus der Höhe seiner Herrlichkeit auf göttliche Weise bis zu uns herabgestiegen ist, wird die Menschheit, die sich weit von Christus entfernt hat, von sozialen und geistigen Beben und Umwälzungen erschüttert, die das Leben aller, die den Frieden lieben, beeinträchtigen.

Soziale Strukturen verlieren auf der Suche nach neuen Modellen und Lebensformen ihre Ordnung, Innovationen entarten in selbstzerstörerische Selbstvergötzung, und in zahlreichen Regionen unseres Planeten ereignen sich Naturkatastrophen nie dagewesenen Ausmaßes. Um uns herum Unordnung und Chaos, Mord und Zerstörung; jedoch die Vision des Friedens ist unerwünscht und nicht gelitten. In den Herzen vieler Menschen haben sich Unsicherheit, Unruhe, Depression, Sinnlosigkeit, die Unfähigkeit, die Dinge zu erklären, und oft Gleichgültigkeit und selbst Haß eingenistet.

Unzählige Menschen leiden unter den moralischen und körperlichen Belastungen physischer, sozialer und geistiger Verwüstungen. Viele von ihnen können dem Druck nicht standhalten und leiden an zahlreichen seelischen und leiblichen Gebrechen. Andere wiederum suchen die Schuldigen und versuchen, sich an den ihrer Meinung nach Verantwortlichen zu rächen.

Wieder andere äußern, da sie die Verantwortlichen nicht zur Rechenschaft ziehen können, ihre Unzufriedenheit durch Terrorakte gegen Unschuldige. Andere nutzen dieses Chaos aus und versuchen, auf Kosten anderer davon zu profitieren. Andere leben im Schutz ihres Reichtums und ihrer Macht in einer eigenen exklusiven Welt, wo sie der Qual der vielen entrückt sind und sich nicht dafür interessieren, diese Qual zu lindern.

Diese ganze Welt hat von der Erlösung durch die Geburt des Messias nichts gehört, ja sie sucht nicht einmal nach irgendeiner Erlösung, denn sie ist ohne Hoffnung und ganz sicher, dass die Befreiung von der Herrschaft des Bösen eine reine Utopie ist. Sie sucht die Probleme mit ihren eigenen weltlichen Fähigkeiten zu lösen. Manchmal nimmt sie ihre Zuflucht sogar zu den Mächten des Bösen, die, wenn sie angerufen werden, durch ihr Eingreifen das Chaos und den Schmerz noch vergrößern.

Wir, im Herrn Geliebte, glauben und wissen genau, dass das Heil in keinem anderen als nur in Christus ist und dass wir nur im Namen Jesu Christi gerettet werden können. Diese unsere Gewissheit wird auch nicht dadurch erschüttert, dass der Heiland der Welt als bloßer Mensch, als ohnmächtiges Kind, als Lamm, das die Sünden der Welt hinwegnimmt, auf Erden erschienen ist und Kreuz und Tod erduldet hat. Uns erschreckt nicht die Tatsache, dass seine Botschaft der Liebe und der Demut, die, wie er uns gelehrt hat, zu ihrer Wirksamkeit der Annahme unsererseits bedarf, von den meisten verworfen wird.

Das Vorbild unseres Erlösers vor Augen anerkennen wir die rettende Kraft der Demut und der Liebe, die freiwillig die Kreuzigung auf sich genommen hat, die rettende Kraft dieser beiden übernatürlichen Eigenschaften der göttlichen Natur, die der gefallene Mensch nur mit Mühe nachahmen kann. Allen rufen wir mit großer Liebe und Demut die heilsame Botschaft Christi in Erinnerung, eine Botschaft, die er nicht nur mit Worten, sondern auch durch Taten, durch sein Opfer, seinen Tod und seine den Tod besiegende Auferstehung verkündet hat. Zwar wird das Opfer der Liebe mit dem Tod Christi besiegelt, doch findet die Umwandlung der Welt ihr Ende nicht im Tod des Liebenden, sondern in der Überwindung des Todes durch die Auferstehung. Genau das ist das Heil, von dem wir sprechen. Der Tod hat keine Macht mehr über uns, denn der Geborene, Jesus Christus, hat ihn zertreten und seine Macht vernichtet.

Heute ist uns der Heiland geboren! Er kam nicht in einer Kraft, die menschlichen Maßstäben entspräche, sondern in der Kraft jener Tugend, von der seine höchste Kraft ausgeht, die Kraft, die sich darin erweist, dass der Herrliche und Allbeherrscher gering wird, die unerreichbare Kraft der sich opfernden uneigennützigen und unverstellten Liebe.

Wir hegen keine trügerischen und eitlen Hoffnungen, dass die Welt als ganze diese Wahrheiten alsbald akzeptieren würde. Wir wissen aber und sagen es laut: Wenn sie diese Wahrheiten nicht annimmt und anwendet, wird sich das Martyrium einander folgender Katastrophen, moralischer Entgleisung, des Lebens in Sinnlosigkeit, der Lüge und der Qual fortsetzen.

Darum ermahnen wir zuerst die Gläubigen in tiefer Liebe und großer Demut: Laßt uns Christus bitten, in unseren Herzen geboren zu werden, nicht für eine sentimentale Empfindung innerweltlicher Euphorie von kurzer, vorübergehender Dauer, sondern für einen grundlegenden Wandel unser Seele, für eine Wiedergeburt in Christus, für einen Wandel, der dazu führt, dass die Qualitäten der Liebe und der Demut zu den eigentlichen Grundzügen unseres Daseins werden.

Schließlich bitten wir mit derselben tiefen Liebe und Demut alle unsere Mitmenschen, ob sie Christus kennen oder nicht, sich dem makellosen Lamm, dem auch um ihres Heiles willen Fleisch gewordenen Jesus Christus, zu nähern, um von ihm den Frieden der Herzen, die Erkenntnis des Zieles ihres Lebens, die Tilgung des Schmerzes, die Ewigkeit und die jeden Verstand übersteigende unentwendbare Freude des Lebens der Gemeinschaft mit Ihm zu empfangen.

Möge auf die Fürbitten der allheiligen Gottesgebärerin, die ihr Fleisch Christus, dem Erlöser, gegeben hat, und unserer heiligen Vorgänger Johannes Chrysostomus und Gregors des Theologen, deren ehrwürdige Reliquien kürzlich in unsere Kirche zurückgekehrt sind, sowie aller Heiligen Christus in der Krippe all unserer Herzen geboren werden und für immer darin verweilen, auf dass wir mit Ihm die Freude Seiner Gegenwart, Seiner unsagbaren Liebe und Seiner übernatürlichen Demut erfahren. Amen.

Phanar, Weihnachten 2004
+ Patriarch Bartholomaios von Konstantinopel
Euer aller inständiger Fürbitter bei Gott


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