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WEIHNACHTSbotschaft
des Ökumenischen Patriarchen

+ B a r t h o l o m a i o s
durch Gottes Erbarmen
Erzbischof von Konstantinopel, dem Neuen Rom,
und Ökumenischer Patriarch
allem Volk der Kirche
Gnade, Friede und Erbarmen
von Christus,
Unserem in BETHLEHEM gebORenen Erlöser

* * *

Christus wird geboren, verherrlicht Ihn.

Christus kommt vom Himmel, zieht Ihm entgegen.

 

Brüder und im Herrn geliebte Kinder,

 

Voller Freude lädt uns unsere Kirche ein, Gott zu verherrlichen, weil Christus, eine der Personen der Heiligen Dreieinigkeit, Gottheit und Menschheit in seiner Person miteinander vereint hat und auf die Erde herabgekommen ist.

 

Es gilt also, der wahren und lebenschaffenden Bedeutung der Menschwerdung des Sohnes und Wortes Gottes besondere Aufmerksamkeit schenken. Dieses Ereignis offenbart der Menschheit vor allem, dass Gott Person ist und uns als Person erscheint, so wie er auch uns Menschen als Personen erschaffen hat. Darüber hinaus zeigt es uns, dass er uns liebt. Diese beiden Gegebenheiten, die Personalität und die Liebe Gottes, sind fundamentale und uns vielfach bekannte Wahrheiten unseres Glaubens. Allerdings ist ihre Wirkung auf unser Leben nicht so groß, wie sie sein sollte, denn viele von uns empfinden weder die brüderliche Gemeinschaft Christi mit uns, noch seine unermessliche Liebe zu uns. Und entsprechend beantworten wir diese Liebe Christi auch nicht durch unsere Liebe. Also fehlt uns die Gemeinschaft der Liebe, durch die wir aus Gnade auch seiner anderen Eigenschaften teilhaftig werden könnten.

 

Wenn wenigstens diejenigen, die Christus nicht kennengelernt haben und aus diesem Grund nach jenem apersonalen Wesen, das sie als Gott verstehen, suchen, in gewisser Weise entschuldigt sind, wenn sie Gottes Liebe nicht kennen, so haben doch wir orthodoxen Christen keinerlei Rechtfertigung, wenn wir ihren ausweglosen Erörterungen folgen. Anstatt den personalen Gott zu suchen und sich ihm durch Jesus Christus, der uns als Bruder nahegekommen ist, zu nähern, kämpfen diese unsere verirrten Brüder verzweifelt dafür, durch ihre eigenen Kräfte Götter zu werden – ganz so wie Adam glaubte, dass er die Gottgleichheit erreichen könnte, indem er dem bösen Geist gehorchte. Doch unser wahrer personaler Gott, der nur durch den in der Höhle aus Liebe zu uns geborenen Jesus Christus erkannt wird, hat uns die Annahme an Sohnes Statt versprochen, den Aufstieg zum Schoß des Vaters und die Vergöttlichung aus Gnade durch Christus. Nur durch Christus wird die in allen Menschen schlummernde Sehnsucht nach Überwindung der Sterblichkeit und der Isolation einer Existenz ohne Liebe und die Entfaltung der Gemeinschaft der Liebe zwischen göttlichen und menschlichen Personen erfüllt, welche zu unvergänglicher Ewigkeit führt.

 

Laßt uns die Augen unserer Herzen auf den heute geborenen und in die Krippe gelegten Jesus Christus richten und, indem wir bedenken, wie groß seine Liebe zu uns ist, ihn aus ganzem Herzen, mit all unserem Trachten und mit allem, was wir sind, lieben. Nur durch die Liebe Jesu Christi werden wir aus Gnade teilhaft seiner göttlichen Natur, so wie auch er durch die Liebe unserer menschliche Natur teilhaft wurde. Anthropozentrische Versuche, Konzepte, psychedelische Zustände, Ekstasen und ähnliche außerchristliche Erfahrungen führen nicht zur Begegnung mit dem wahren personalen Gott der Liebe, sondern in eine tiefe, eisige Finsternis, in das Dunkel ewiger Verlorenheit, in die Wahrnehmung einer totalen, abgründigen Leere.

 

Darum, geliebte Kinder im Herrn, liebet den, der um unseretwillen, um der Menschen willen, und zu unserer Erlösung aus Liebe zu uns Mensch geworden ist, Jesus Christus, und lernt von der Gemeinschaft seiner Liebe, seiner Gemeinschaft mit dem Vater und dem Heiligen Geist; denn es gibt nichts Schöneres als diese Liebe des personalen Gottes.       

 

Der große Verkündiger der Liebe Gottes ist der Evangelist Johannes der Theologe, der auf dem Höhepunkt seiner Verkündigung Gott und die Liebe gleichsetzt, indem er sagt: „Gott ist Liebe“. Ihm folgt der Apostel Paulus, der Christus bis zur letzten Konsequenz geliebt und uns das bewegende Wort überliefert hat: „Wer wird uns von der Liebe Christi trennen?“ Weder Drangsal, noch Schwert, noch Tod, noch eine andere Liebe könnte stärker sein als unsere Liebe zu Christus. Zur Erinnerung an die Worte und die Liebestaten des heiligen Apostels Paulus proklamieren wir aus Anlaß des 2000jährigen Jubiläums seiner Geburt das kommende Jahr 2008 als sein Gedenkjahr.

 

Wir beten väterlich und aus ganzem Herzen, der aus Liebe und zu unserem Heil Mensch gewordene und in eine Krippe gelegte Jesus Christus verwandle das Herz eines jeden von uns in die Krippe seiner Herabkunft und offenbare uns allen das Antlitz seiner Liebe - auf die Fürbitten seiner unvermählten und immerdar jungfräulichen Mutter, unseres Vorgängers, des hl. Johannes Chrysostomus, dessen Gedenken dieses seinem Ende entgegengehende Jahr gewidmet war, unseres gleichfalls heiligen Vorgängers, des hl. Niphon, des Wiedererbauers und zweiten Gründers unseres patriarchalen Klosters des hl. Dionysios auf dem Heiligen Berg, dessen Entschlafen vor 500 Jahren wir im kommenden Jahr feierlich begehen, der heiligen Apostel Johannes und Paulus, der Verkündiger der Liebe Gottes par excellence, und aller Heiligen – und rufen auf euch Gottes Gnade und sein reiches Erbarmen herab.

 

Euch allen ein gutes Weihnachtsfest, eine friedliche und gesegnete Zeit der zwölf Tage zwischen dem Fest der Geburt und dem Fest der Erscheinung des Herrn und ein in geistlicher und jeder anderen Hinsicht ertragreiches Neues Jahr!
 

Phanar, Weihnachten 2007
+ Patriarch Bartholomaios von Konstantinopel
Euer aller inständiger Fürbitter bei Gott


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