„Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt …,
dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen.
Und er wird sagen:
Wahrlich, ich sage euch,
was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt,
das habt ihr auch mir nicht getan.“
(Mt. 25, 31.40)
In Christo geliebte Brüder und Schwestern,
gemeinsam treten wir jetzt in die große vierzigtägige Zeit der besonderen Buße und Enthaltsamkeit ein. Schon mehrfach erklangen in der Vorbereitungszeit die Worte des Hymnus: „Der Buße Pforten öffne mir, Lebensspender“, dieses Gesanges, der uns daran erinnert, dass zur Buße die Erkenntnis unserer Sünden notwendig ist.
Besonders in
der gegenwärtigen Zeit, da die Welt ihre Ideale und religiösen Werte
verliert, ist es unsere unerlässliche Verpflichtung als orthodoxe Christen,
unsere Selbsterkenntnis zu vertiefen und aufmerksam unser Leben, das wir
führen, zu prüfen. Besonders sollen wir unsere Aufmerksamkeit ernsthaft
unserem moralischen Leben zuwenden, das mit der Liebe zu unserem Nächsten
verbunden ist und mit der Beachtung der Gebote Gottes, die uns Ihm nahe
bringt, denn die Menschen „sollten Gott suchen, ob sie ihn ertasten und
finden könnten; denn keinem von uns ist er fern“ (Apg. 17,27).
Von verschiedenartigsten Beschäftigungen abgelenkt, finden wir oft nicht genügend Zeit zum Gebet und zum Nachdenken über unser weiteres Leben. Und wir vergessen nur zu oft, dass neben uns ein Mensch lebt, der – wie wir – nach dem Bild und Gleichnis Gottes geschaffen ist. Wir vergessen, was der hl. Psalmensänger David meinte, wenn er sagte: „Wohl dem, der sich des Schwachen annimmt; zur bösen Zeit wird der Herr ihn erretten!“ (Ps. 41,1)
Denken wir
immer daran, besonders aber jetzt in der Zeit der Vierzig Tage, dass wir
demnächst über das von uns gelebte Leben vor dem Himmlischen Vater werden
Rede und Antwort stehen müssen. Doch als ein uns liebender Vater kommt er
uns entgegen, wenn er sagt: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder
getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt. 25, 40).
Dies besagt
doch: Gott ist in uns gegenwärtig; wenn dies aber so ist, dann müssen wir
auch unsere Nächsten lieben wir uns selbst, ja wie Gott selbst, und für sie
Sorge tragen.
In der
letzten Zeit hat die Welt verschiedene Katastrophen erlebt, und wir wurden
Zeugen, wie diese viele Tausende Opfer kosteten. Die Massenmedien haben uns
in großem Maße über diese Geschehen informiert; aber leider sind wir nicht
selten schon abgestumpft, und es scheint, als würden uns selbst
außergewöhnliche Unglücksfälle nicht mehr interessieren und solche
schrecklichen Nachrichten kaum mehr unsere Aufmerksamkeit erregen. Doch sind
auch diese Menschen, die hier zu leiden hatten, auch wenn sie anderen
Nationen und Religionen angehören mögen, nach Gottes Bild und Gleichnis
geschaffen und gehören zu diesen „geringsten Brüdern“, von denen der Erlöser
spricht. Und sie sollten daher auf unsere Solidarität und Hilfe rechnen
können!
Die
Fastenzeit ist eine besondere Zeit, eine Zeit, in der wir uns Gedanken
machen sollten über das Leben, das wir geführt haben, und gewissermaßen eine
Bilanz ziehen – mit der aufrichtigen Bereitschaft und Entschlossenheit,
unsere Sünden zu bereuen, unsere Fehler nach Möglichkeit wieder gut zu
machen und in Zukunft zu vermeiden, einen neuen Ansatz zu finden, unser
weiteres Leben nach den Geboten Gottes auszurichten, „damit wir die übrige
Zeit unseres Lebens in Frieden und Buße vollenden … und ein christliches
Ende unseres Leben … und eine gute Verantwortung vor dem schrecklichen
Richterstuhl Christi“ erfahren.
In diesem
Zusammenhang beunruhigt uns besonders, dass in der so genannten christlichen
Welt viele Werte vergessen scheinen, dass einige sich über religiöse Werte
sowohl unserer wie auch anderer Religionen lustig machen. Wir sind
kategorisch gegen jedwede Art einer Beleidigung und Verächtlichmachung
religiöser Werte, die immer nur von einer Gottesferne zeugt. Wir rufen
unsere Kinder dazu auf, die religiösen Werte aller Menschen zu achten, auch
wenn sie anderen Glaubensbekenntnissen und Religionen angehören, denn, was
wir einem dieser „Geringsten“ antun, das tun wir Gott an.
Brüder und
Schwestern,
vergesst also nicht die Bedürftigen, vergesst nicht all jene, die unserer Hilfe bedürfen, vergesst nicht jene, die sich um das Wohl des menschlichen Lebens auf dieser Erde mühen: Helft ihnen – und Gott wird euch helfen!
Berlin, am Sonntag der Orthodoxie 2006
† Metropolit Augoustinos von Deutschland, Exarch von Zentraleuropa
Griechisch-Orthodoxe Metropolie von Deutschland und Exarchat von Zentraleuropa
† Erzbischof Gabriel von Komana
Exarchat der orthodoxen Gemeinden russischer Tradition in Westeuropa
† Erzbischof loann von Pamassos
Ukrainische Orthodoxe Eparchie von Westeuropa
† Metropolit Gabriel von West- und Mitteleuropa
Metropolie der Griechisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien fur West- und Mitteleuropa
† Erzbischof Feofan von Berlin und Deutschland
Berliner Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats
† Erzbischof Longin von Klin
Standiger Vertreter der Russischen Orthodoxen Kirche in Deutschland
† Bischof Konstantin von Mitteleuropa
Serbische Orthodoxe Diözese fur Mitteleuropa
† Metropolit Dr. Serafim von Deutschland, Zentral- und Nordeuropa
Rumänische Orthodoxe Metropolie für Deutschland, Zentral- und Nordeuropa
† Metropolit Simeon von West- und Mitteleuropa
Bulgarische Diözese von West- und Mitteleuropa
† Metropolit Abraham von Westeuropa
Westeuropäische Diözese der Georgischen Orthodoxen Kirche