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FASTENBRIEF
der orthodoxen Bischöfe Deutschlands
im Jahr2007

 

„Lasset uns die Gesetze des Fastens erlernen!“
(Johannes Chrysostomus)

Liebe orthodoxe Christen in Deutschland!

Der heilige Johannes, jener Erzbischof von Konstantinopel, der wegen seiner Predigten unter dem Namen Chrysostomus, also Goldmund, im Gedächtnis der Kirche lebt – ganz besonders in diesem Jahr, in dem 1600 Jahre seit seinem Heimgang vergangen sind - fordert in einem Brief die Christen von Antiochien auf „Lasset uns die Gesetze des Fastens erlernen!“. Er meint damit aber nicht, welche Speisen man in der Fastenzeit essen und welche man weglassen soll. Es geht ihm vielmehr darum, vor einem nur auf die Nahrungsaufnahme beschränkten Fasten zu warnen. Er fragt: „Fastet ihr? Zeigt es durch eure Taten! Wie? Seht ihr einen Armen, erbarmt euch seiner! Seht ihr einen Feind, versöhnt euch mit ihm! Seht ihr einen Freund, der einen guten Ruf hat, beneidet ihn nicht! Seht ihr eine Versuchung, wendet das Haupt weg! Nicht nur der Mund und der Magen sollen fasten, sondern auch die Augen, die Ohren, die Füße, die Hände und alle Glieder eures Leibes. Die Hände mögen fasten, indem sie sich von Raub und Habgier reinigen. Die Füße mögen fasten, indem sie die Wege zu den verbotenen Schauspielen aufgeben. Die Augen mögen fasten, indem sie sich üben, nicht durch habgierige Blicke sündig zu werden und nicht fremde Schönheit betrachten. Die Ohren mögen fasten: das Fasten des Gehörs bedeutet, nicht auf schlechte Worte und Intrigen zu hören. ‚Ein eitles Ohr nimm nicht an’ (Ex 23,1) sagt der Herr. Es möge auch der Mund fasten an schlechten Worten und Verleumdungen. Was nützt es nämlich sich des Fleisches der Vögel und der Fische zu enthalten, gleichzeitig aber unsere Geschwister zu beißen und zu verspeisen? Wer seinen Bruder verurteilt, isst nämlich sein Fleisch und beißt seinen Nächsten.“ (PG 49,53)

Das Fasten ist also kein Selbstzweck, es ist nicht ein einfacher Verzicht auf etwas, was einem womöglich besonders gut schmeckt und deshalb in einem hehren Akt der Selbstverachtung und des erzwungenen Verzichts vorübergehend abgelegt wird, sondern es begleitet und unterstützt das Gebet des Christen. Unser Herr Jesus Christus selbst nennt „Fasten und Gebet“ in einem Atemzug als Voraussetzung für die Überwindung des Bösen (vgl. Markus 9,29).

Nicht „Sieben Wochen ohne…!“ wird es deshalb in unseren Gemeinden heißen, sondern „Sieben Wochen mit…“ Gebet und Barmherzigkeit, mit der Bitte um die Vergebung Gottes im Mysterium der Umkehr, mit der Feier der Göttlichen Liturgie des heiligen Basilius und jener der vorgeweihten Gaben, mit allen jenen feierlichen Gottesdiensten der Heiligen und Großen Fastenzeit, die uns hinführen zur Passion und zur Auferstehung des Herrn!

Der heilige Johannes Chrysostomus beschreibt diese Zeit so: „So wie, wenn der Winter vorübergeht und der Frühling naht, der Seemann sein Schiff zum Meeresufer zieht, der Soldat seine Waffen reinigt und sein Pferd für den Kampf vorbereitet, der Landwirt seine Sichel schleift, der Wandersmann Mut fasst und seinen Weg antritt und der Kämpfer sich für den Kampf rüstet und die Alltagskleider ablegt, so müssen auch wir, wenn der geistliche Frühling der Fastenzeit naht, wie Soldaten unsere Waffen reinigen und wie Landwirte unsere Sicheln schleifen und wie Schiffer den Wellen unserer zügellosen Begierden unsere Gedanken entgegensetzen. Wie Wandersleute müssen wir unseren Weg in Richtung Himmel antreten und uns wie Sportsleute für den Wettkampf einkleiden. Denn der gute Gläubige ist sowohl Landwirt als auch Schiffer; er ist Soldat und Wettkämpfer und Wandersmann.“ (PG 49,53)

In diesem Sinne wünschen wir euch, liebe orthodoxe Christen in Deutschland, die Beharrlichkeit des Wandersmannes, die Ausdauer des Wettkämpfers, den Eifer des Landwirtes, die Stärke des Soldaten und schließlich - die Freude des Seemanns, „damit wir das große Meer der Fastenzeit überqueren und zur Auferstehung unseres Herrn und Erlösers Jesu Christi am dritten Tage gelangen, der unsere Seelen rettet!“ (Idiomelon der Vesper des Montags der ersten Fastenwoche).

Sein Segen und sein Erbarmen komme auf euch alle herab durch seine Gnade und seine Liebe zu den Menschen! Amen.

Berlin, am Sonntag der Orthodoxie 2007

 

† Metropolit Augoustinos von Deutschland, Exarch von Zentraleuropa
Griechisch-Orthodoxe Metropolie von Deutschland und Exarchat von Zentraleuropa

† Erzbischof Gabriel von Komana
Exarchat der orthodoxen Gemeinden russischer Tradition in Westeuropa

† Bischof Andrij von Krateia
Ukrainische Orthodoxe Eparchie von Westeuropa

† Metropolit Gabriel von West- und Mitteleuropa
Metropolie der Griechisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien fur West- und Mitteleuropa

† Erzbischof Feofan von Berlin und Deutschland
Berliner Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats

† Erzbischof Longin von Klin
Standiger Vertreter der Russischen Orthodoxen Kirche in Deutschland

† Bischof Konstantin von Mitteleuropa
Serbische Orthodoxe Diözese fur Mitteleuropa

† Metropolit Dr. Serafim von Deutschland, Zentral- und Nordeuropa
Rumänische Orthodoxe Metropolie für Deutschland, Zentral- und Nordeuropa

† Metropolit Simeon von West- und Mitteleuropa
Bulgarische Diözese von West- und Mitteleuropa

† Metropolit Abraham von Westeuropa
Westeuropäische Diözese der Georgischen Orthodoxen Kirche


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