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FASTENBRIEF
der orthodoxen Bischöfe Deutschlands
im Jahr2008


„Weil wir nicht fasteten, verloren wir das Paradies.
Lasst
uns also fasten, dass wir wieder dahin zurückkehren!“
(Hl. Basileios  der Große) 

 

Liebe Brüder und Schwestern,

die orthodoxen Völker haben im Lauf ihrer Geschichte die Fastenregeln unserer Kirche in zahlreiche Sitten, Gebräuche und Speisegewohnheiten umgesetzt. So hat sich allerorten eine besondere Atmosphäre der Großen Fastenzeit vor dem Lichten Osterfest entwickelt.

Eine solche Atmosphäre umgibt und trägt uns in Deutschland nicht mehr oder allenfalls noch im Kreis der Familie. Deshalb sind wir aufgerufen, selbstverantwortlich und in ernsthafter Aufrichtigkeit das Maß an Mühen der Fasten auf uns zu nehmen, das uns möglich ist.

„Das Fasten war schon im Paradiese ein Gebot. Das erste Gebot, das Adam erhielt, lautete: Vom Baume der Erkenntnis des Guten  des Bösen sollt ihr nicht essen! (Gen 3,17). Die Worte aber: Ihr sollt nicht essen, sind ein Gebot des Fastens und der Abstinenz. Hätte Eva nicht vom Baume genossen, dann hätten wir jetzt dieses Fasten nicht nötig. Denn nicht die Gesunden bedürfen des Arztes, sondern die Kranken (Mt 9,12). Durch die Sünde sind wir krank geworden; durch die Buße müssen wir wieder gesunden. Buße aber ohne Fasten ist wertlos“ sagt der hl. Basileios der Große.

Zum Fasten gehört also die Ehrlichkeit. Und viele von uns werden bekennen, dass sie in ihrem Alltag längst nicht alle Fastengebote befolgen können. Das ist ein Mangel, den wir mit jener Tugend auffüllen sollten, die jedem unter allen Umständen zur Verfügung steht, der Demut.

„Weil wir nicht fasteten, verloren wir das Paradies, lasst uns also fasten, dass wir dahin zurückkehren!“ (Hl. Basileios der Große).

Wir wollen wie der Zöllner in dem bekannten Gleichnis des Evangeliums mit gesenktem Blick vor den Allerhöchsten treten und zerknirschten Herzens beten: „O Gott, sei mir Sünder gnädig!“ Und wir werden gemäß der Zusicherung des Herrn gerechtfertigt werden (vgl. Lk 18, 9-14).

Freilich ist das Fasten ohne echte Auseinandersetzung mit unseren vielgestaltigen Leidenschaften und ohne eine reale Enthaltung in Bezug auf das Essen und Trinken unvorstellbar.

Und eine weitere Form der Enthaltung scheint uns heute wichtig und geboten: Wir sollten unseren – häufig unbewussten – Konsum auf der Medien immer wieder überprüfen und dieser vorösterlichen Zeit anpassen.

Gott, der himmlische Vater, ist nicht nur der Wahre, sondern auch der Weise, Gott Sohn ist nicht nur die Wahrheit, sondern auch die Weisheit. Gott der Heilige Geist ist nicht nur der Geist der Wahrheit, sondern auch Geist der Weisheit. Diesem erhabenen Urbild gemäß ist der Mensch erschaffen. Darin besteht die Menschenwürde. Sie bekennen wir implizit, wenn wir uns am heutigen Sonntag der Orthodoxie vor den Bildern Christi, seiner Mutter sowie der Heiligen, den Ikonen, verneigen. Also sollten wir gerade die Große Fastenzeit als Gelegenheit betrachten, um uns wieder bewusst von all dem anzuwenden, was uns durch Banalität und Vulgarität erniedrigt.

Kultivieren wir unseren Geist! Das bedeutet, in der Fastenzeit nicht nur einmal bloß mechanisch zu beichten und zum Kelch zu treten. Es heißt, so häufig wie möglich an den tiefsinnigen und ergreifenden Gottesdiensten teilzunehmen, insbesondere denen der Hohen und Heiligen Woche.

Gott der Vater möge sodann unsere Fastengabe, unser Opfer, annehmen, indem er uns dafür auch in diesem Jahr des Heils in der Kraft seines Heiligen Geistes die große und zentrale Freude unseres orthodoxen Christenseins schenkt, die beseligende Erfahrung der alles verwandelnden Auferstehung seines Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus.

Diese Erfahrung hat der 2003 heilig gesprochene serbische Bischof Nikolaj Velimirović (1880-1956) anschaulich anlässlich einer österlichen Pilgerreise nach Jerusalem geschildert. Der Bischof schreibt: „Wir warteten in der Kirche der heiligen Auferstehung, und schließlich wurden unsere Erwartungen erfüllt. Als der Patriarch ‚Christus ist auferstanden’ sang, war uns, als fiele eine schwere Last von unseren Seelen. Wir fühlten auch uns selbst wie von den Toten auferweckt. Sofort ertönte um uns herum immer der gleiche Ruf. ‚Christus ist auferstanden von den Toten, er hat den Tod durch den Tod zertreten und denen in den Gräbern das Leben geschenkt’, sangen nacheinander – alle in ihrer Sprache und nach ihrer Weise – Griechen, Russen, Araber, Serben, Kopten, Armenier und Äthiopier.  Als wir dann nach dem Gottesdienst in die Morgendämmerung hinaustraten, da begannen wir, alles im Licht der Herrlichkeit von Christi Auferstehung zu betrachten, und alles erschien besser, ausdrucksstärker und herrlicher im Vergleich zum gestrigen Tag: Nur im Licht der Auferstehung empfängt das Leben einen Sinn!“

Brüder und Schwestern, der Herr spricht: „Ich bin gekommen, damit sie Leben haben und das in überfließender Fülle“ (Jo 10,10). – Befähigen wir unsere Herzen, unseren Geist, unsere Seelen und unsere Leiber mittels der reinigenden Mühe der ehrwürdigen Fasten zum Empfang dieses Lebens, zum Empfang der Göttlichen Fülle, zur Theosis, zur Vergöttlichung!

Düsseldorf, am Sonntag der Orthodoxie 2008
 

† Metropolit Augoustinos von Deutschland, Exarch von Zentraleuropa
Griechisch-Orthodoxe Metropolie von Deutschland und Exarchat von Zentraleuropa

† Erzbischof Gabriel von Komana
Exarchat der orthodoxen Gemeinden russischer Tradition in Westeuropa

† Bischof Andrij von Krateia
Ukrainische Orthodoxe Eparchie von Westeuropa

† Metropolit Gabriel von West- und Mitteleuropa
Metropolie der Griechisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien fur West- und Mitteleuropa

† Erzbischof Feofan von Berlin und Deutschland
Berliner Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats

† Erzbischof Longin von Klin
Standiger Vertreter der Russischen Orthodoxen Kirche in Deutschland

† Bischof Konstantin von Mitteleuropa
Serbische Orthodoxe Diözese fur Mitteleuropa

† Metropolit Dr. Serafim von Deutschland, Zentral- und Nordeuropa
Rumänische Orthodoxe Metropolie für Deutschland, Zentral- und Nordeuropa

† Metropolit Simeon von West- und Mitteleuropa
Bulgarische Diözese von West- und Mitteleuropa

† Metropolit Abraham von Westeuropa
Westeuropäische Diözese der Georgischen Orthodoxen Kirche


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