Sehr verehrter, lieber Herr Malamoussis,
ich freue mich sehr, heute gemeinsam mit Repräsentanten der Politik sowie der katholischen und evangelischen Kirche Ihren 60. Geburtstag feiern zu dürfen.
Seit 25 Jahren leben Sie nun schon in
München und beinahe ebenso lange kennen wir uns schon.
Ich erinnere mich noch gut an unsere erste Begegnung: Es war auf einem Empfang
der Stadt München, ich bin gerade erst zur Präsidentin der Israelitischen
Kultusgemeinde gewählt worden und kannte kaum jemanden der anderen zum Empfang
geladenen Gäste. Entsprechend verloren muss ich wohl gewirkt haben als Sie in
der Ihnen eigenen Herzlichkeit auf mich zukamen und mich begrüßten.
Von diesem Moment an war das Eis gebrochen.
Und der schwarz gekleidete Herr mit dem sperrigen, Ehrfurcht einflößenden Titel
„Erzpriester des Ökumenischen Patriarchats“ war für mich die personifizierte
Warmherzigkeit.
Dieser Augenblick – meine Damen und Herren
– war der Beginn einer engen und tragfähigen Freundschaft zwischen der jüdischen
Gemeinschaft Münchens und den griechisch-orthodoxen Christen:
Eine Freundschaft, die auf gemeinsamen Werten, Idealen und Zielen beruht.
Eine Freundschaft also, die für die Israelitische Kultusgemeinde bedeutsam und
wichtig ist, denn das Judentum braucht den Rückhalt seines „jüngeren
christlichen Bruders“.
Gerade heute in einer Zeit, in der die Ökonomisierung aller Lebensbereiche das
jüdisch-christliche Prinzip der Nächstenliebe zu verdrängen droht, müssen wir
zusammenhalten, um religiöse Normen erfolgreich behaupten zu können.
Die Israelitische Kultusgemeinde und die
griechisch-orthodoxen Christen haben aber nicht nur gemeinsame Überzeugungen.
Vielmehr gibt es auch Parallelen in unserem Alltag – in der gesellschaftlichen
Wirklichkeit: Sie sorgen für eine erfolgreiche Integration von Griechen, während
wir für die Eingliederung von jüdischen Zuwanderern aus der ehemaligen
Sowjetunion zuständig sind.
Beides sind Prozesse, die uns zweifelsohne mit ähnlichen Freuden aber auch
Herausforderungen konfrontieren. Denn so wie Sie als Repräsentant der
griechisch-orthodoxen Kirche in Deutschland eine Brückenfunktion zwischen
Deutschen und Griechen erfüllen, so nehmen auch wir alteingesessenen Juden eine
Mittlerrolle zwischen Juden aus der GUS und der deutschen Gesellschaft war.
In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung haben Sie einmal gesagt, das
Geheimnis erfolgreicher Integration sei, das eigene Gute zu bewahren, das Gute
des anderen aufzunehmen und beides zu harmonisieren.
Schöner und treffender lässt sich die Begleitung von Eingliederungsprozessen
nicht beschreiben.
Ich teile Ihre Haltung und freue mich darauf, den lebendigen Austausch und die
gute Zusammenarbeit zwischen unseren beiden Gemeinschaften fortzusetzen, denn
ich bin überzeugt, dass wir – auch auf diesem Gebiet – viel voneinander lernen
können.
Sehr geehrter, lieber Herr Malamoussis,
für die jüdischen Bürger Münchens – aber
auch für mich ganz persönlich – war und ist es eine große Bereicherung, Sie zu
unseren Freunden zählen zu dürfen.
Ich möchte hinzufügen, zu unseren treuesten Freunden, denn es gibt keine
Veranstaltung in unserem neuen Jüdischen Zentrum, zu der Sie nicht erscheinen
würden. Ich werte dies als Ausdruck Ihrer tief empfundenen Verbundenheit
gegenüber der Israelitischen Kultusgemeinde und wünsche mir, dass Sie auch in
Zukunft so oft es Ihnen möglich ist, bei uns hereinschauen, um mit Ihrer
Herzlichkeit, Liebenswürdigkeit und Wärme unser Gemeindeleben zu bereichern.
Zu Ihrem heutigen Jubiläum gratuliere ich Ihnen von Herzen und wünsche Ihnen
alles erdenklich Gute, Gesundheit und Gottes Segen.
Bei uns sagt man Ad Meah W’esrim Shana – bis 120.