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Präsidentin Charlotte Knobloch
Zentralrat der Juden in Deutschland

Grüßwort
beim Festakt aus Anlass des 60. Geburtstags
von Erzpriester Apostolos Malamoussis

(München, 4. Juli 2007)

Sehr verehrter, lieber Herr Malamoussis,

ich freue mich sehr, heute gemeinsam mit Repräsentanten der Politik sowie der katholischen und evangelischen Kirche Ihren 60. Geburtstag feiern zu dürfen.

Seit 25 Jahren leben Sie nun schon in München und beinahe ebenso lange kennen wir uns schon.
Ich erinnere mich noch gut an unsere erste Begegnung: Es war auf einem Empfang der Stadt München, ich bin gerade erst zur Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde gewählt worden und kannte kaum jemanden der anderen zum Empfang geladenen Gäste. Entsprechend verloren muss ich wohl gewirkt haben als Sie in der Ihnen eigenen Herzlichkeit auf mich zukamen und mich begrüßten.
Von diesem Moment an war das Eis gebrochen.
Und der schwarz gekleidete Herr mit dem sperrigen, Ehrfurcht einflößenden Titel „Erzpriester des Ökumenischen Patriarchats“ war für mich die personifizierte Warmherzigkeit.

Dieser Augenblick – meine Damen und Herren – war der Beginn einer engen und tragfähigen Freundschaft zwischen der jüdischen Gemeinschaft Münchens und den griechisch-orthodoxen Christen:
Eine Freundschaft, die auf gemeinsamen Werten, Idealen und Zielen beruht.
Eine Freundschaft also, die für die Israelitische Kultusgemeinde bedeutsam und wichtig ist, denn das Judentum braucht den Rückhalt seines „jüngeren christlichen Bruders“.
Gerade heute in einer Zeit, in der die Ökonomisierung aller Lebensbereiche das jüdisch-christliche Prinzip der Nächstenliebe zu verdrängen droht, müssen wir zusammenhalten, um religiöse Normen erfolgreich behaupten zu können.

Die Israelitische Kultusgemeinde und die griechisch-orthodoxen Christen haben aber nicht nur gemeinsame Überzeugungen. Vielmehr gibt es auch Parallelen in unserem Alltag – in der gesellschaftlichen Wirklichkeit: Sie sorgen für eine erfolgreiche Integration von Griechen, während wir für die Eingliederung von jüdischen Zuwanderern aus der ehemaligen Sowjetunion zuständig sind.
Beides sind Prozesse, die uns zweifelsohne mit ähnlichen Freuden aber auch Herausforderungen konfrontieren. Denn so wie Sie als Repräsentant der griechisch-orthodoxen Kirche in Deutschland eine Brückenfunktion zwischen Deutschen und Griechen erfüllen, so nehmen auch wir alteingesessenen Juden eine Mittlerrolle zwischen Juden aus der GUS und der deutschen Gesellschaft war.
In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung haben Sie einmal gesagt, das Geheimnis erfolgreicher Integration sei, das eigene Gute zu bewahren, das Gute des anderen aufzunehmen und beides zu harmonisieren.
Schöner und treffender lässt sich die Begleitung von Eingliederungsprozessen nicht beschreiben.
Ich teile Ihre Haltung und freue mich darauf, den lebendigen Austausch und die gute Zusammenarbeit zwischen unseren beiden Gemeinschaften fortzusetzen, denn ich bin überzeugt, dass wir – auch auf diesem Gebiet –  viel voneinander lernen können.

Sehr geehrter, lieber Herr Malamoussis,

für die jüdischen Bürger Münchens – aber auch für mich ganz persönlich – war und ist es eine große Bereicherung, Sie zu unseren Freunden zählen zu dürfen.
Ich möchte hinzufügen, zu unseren treuesten Freunden, denn es gibt keine Veranstaltung in unserem neuen Jüdischen Zentrum, zu der Sie nicht erscheinen würden. Ich werte dies als Ausdruck Ihrer tief empfundenen Verbundenheit gegenüber der Israelitischen Kultusgemeinde und wünsche mir, dass Sie auch in Zukunft so oft es Ihnen möglich ist, bei uns hereinschauen, um mit Ihrer Herzlichkeit, Liebenswürdigkeit und Wärme unser Gemeindeleben zu bereichern.
Zu Ihrem heutigen Jubiläum gratuliere ich Ihnen von Herzen und wünsche Ihnen alles erdenklich Gute, Gesundheit und Gottes Segen.

Bei uns sagt man Ad Meah W’esrim Shana – bis 120.


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