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Dr. Marlies mügge

Brückenbauer zwischen den Christen
Vor 25 Jahren wurde Bischof Augoustinos
zum Metropoliten gewählt

(KNA-ÖKI 38, 20. September 2005, S. 14-15)

"Das Regieren beweist die eigentlichen Fähigkeiten eines Mannes", heißt es. In 25 Jahren als Metropolit von Deutschland und Exarch von Zentraleuropa hat Augoustinos Labardakis diese Aussage mehr als eindrucksvoll bestätigt. Der Deutschlandkenner repräsentiert die drittgrößte Kirche in der Bundesrepublik. Rund 400.000 griechischorthodoxe Christen in mehr als 70 Gemeinden sind dem Metropoliten anvertraut. Und ihm ist zu verdanken, dass die Integration der Griechen in die deutsche Gesellschaft gelungen ist. Unermüdlich hat sich Augoustinos für die Vertiefung der Freundschaft zwischen Griechen und Deutschen eingesetzt und eine ehemals fremde Kirche, die Orthodoxie, im westeuropäischen Raum beheimatet. Am 29. September 1980 wurde er zum Metropoliten gewählt und kann jetzt auf eine 25-jährige erfolgreiche Amtszeit zurückblicken.

Die Versöhnung der Christen ist ein Herzensanliegen von Augoustinos. Der engagierte Ökumeniker hat viel zur Verständigung zwischen der westlichen und östlichen Christenheit beigetragen, deren Bedeutung Katholiken dank des Zweiten Vatikanischen Konzils bewusst wurde. Kardinal Karl Lehmann würdigte den Metropoliten anlässlich seines 60. Geburtstags denn auch als "Brückenbauer" und die Zusammenarbeit mit ihm als "Verlässliches Unterpfand". Der damalige Bundespräsident Roman Herzog erklärte, Augoustinos habe die Tradition des ökumenischen Dialogs vertieft und damit das Verhältnis zwischen den Christen der westlichen und der östlichen Kirche gefestigt.  

Augoustinos wurde ein erfolgreicher Anwalt der orthodoxen Christen in der Bundesrepublik, die nicht länger als exotische Minderheit galten. So erreichte er, dass die Metropolie als Körperschaft Öffentlichen Rechts anerkannt und orthodoxer Religionsunterricht in einigen Bundesländern als ordentliches Lehrfach an öffentlichen Schulen eingeführt werden konnte. Er machte seine Metropolie zum "Stolz und zur Zierde des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel", wie der österreichische Metropolit Michael Staikos in seinem Glückwunsch zum 60. Geburtstag des Amtsbruders würdigend hervorhob.

Ökumenische Brücken und Integration orthodoxer Christen haben auch eine unübersehbare politische Dimension. So anerkannte der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl, der Metropolit habe maßgeblich zu einem guten und vertrauensvollen Verhältnis zwischen der griechisch-orthodoxen Kirche und dem deutschen Staat beigetragen. Der Bau des "Hauses Europa" könne nur gelingen, wenn neben der wirtschaftlichen auch die ethische Dimension nicht aus den Augen verloren werde. Der Metropolit seinerseits zeigt sich überzeugt, dass die Integration seiner Kirche in Deutschland nicht nur das Verständnis für ein werdendes vereintes Europa, sondern auch für die gegenseitige ökumenische Annäherung der Kirchen zur Folge hat.

Augoustinos Labardakis wurde am 7. Februar 1938 auf Kreta geboren. Nach seinem Theologiestudium in der Orthodoxen Theologischen Akademie auf Chalki bei Istanbul, der bis zu ihrer Schließung durch den türkischen Staat bedeutendsten geistlichen Ausbildungsstätte der Weltorthodoxie, wurde er zum Diakon geweiht und wechselte zum Weiterstudium nach Salzburg, Münster und Berlin. Der 1964 zum Priester geweihte Theologe betreute als Pfarrer in West-Berlin auch die orthodoxen Christen im Ostteil der damals geteilten Stadt. 1972 wählte ihn die Heilige Synode des Ökumenischen Patriarchats zum Vikarbischof der Metropolie von Deutschland und im selben Jahr wurde er als erster griechisch-orthodoxer Bischof in Deutschland geweiht. Augoustinos war in den siebziger Jahren Vorsitzender des Ökumenischen Rates der Kirchen in Berlin, und arbeitete in mehreren Dialogkommissionen zwischen orthodoxen und katholischen oder evangelischen Christen mit. 1980 trat er die Nachfolge von Metropolit lrinaios an, der nach Kreta zurückkehrte und das Bistum Kissamos und Selinon übernahm und jetzt erst, als 94-jähriger sein Amt aufgab. Die Einführung des neuen Metropoliten Augoustinos fand am 8. November 1980 in der Kathedralkirche Agia Trias in Bonn statt.

Augoustinos beherrscht nicht nur die wissenschaftliche Theologie und Ökumene, die er in zahlreichen Veröffentlichungen und Vorträgen verständlich vermittelt, er ist auch fähig zu einer "Ökumene des Herzens", die Vertrautheit und Verbundenheit schafft. Die selbstverständliche herzliche Gastfreundschaft in der Metropolie ist nur ein Beleg dafür. Es verwundert auch nicht, dass die Irritationen im Ökumenischen Rat der Kirchen und die wieder aufbrechenden Gräben zwischen West- und Ostchristen keine Auswirkungen auf die Metropolie haben und sich Augoustinos für eine Beibehaltung ökumenischer Gottesdienste ausgesprochen hatte.

Der engagierte Metropolit wird den ökumenischen Dialog weiterhin aktiv begleiten – vielleicht mit größerer Hoffnung, hat sich doch Papst Benedikt XVI. nachdrücklich den Ostkirchen zugewandt und die theologische Nähe der Schwesterkirchen des Ostens und des Westens betont.


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