Dr. Marlies mügge
(KNA-ÖKI 3, 21. Januar 2003, S. 3)
Er repräsentiert die drittgrößte Kirche in der Bundesrepublik. Rund 400.000 griechisch-orthodoxe Christen in mehr als 70 Gemeinden sind Metropolit Augoustinos Labardakis anvertraut. Und ihm ist zu verdanken, dass die Integration der Griechen in die deutsche Gesellschaft gelungen ist. Unermüdlich hat sich Augoustinos für die Vertiefung der Freundschaft zwischen Griechen und Deutschen eingesetzt und die Orthodoxie, im westeuropäischen Raum beheimatet. Am 7. Februar feiert der Metropolit seinen 65. Geburtstag.
Die Versöhnung der Christen ist ein Herzensanliegen von Augoustinos. Der engagierte Ökumeniker hat viel zur Verständigung zwischen der westlichen und östlichen Christenheit beigetragen, deren Bedeutung Katholiken dank des Zweiten Vatikanischen Konzils bewusst wurde. Kardinal Karl Lehmann würdigte den Metropoliten anlässlich seines 60. Geburtstags denn auch als “Brückenbauer”. Der damalige Bundespräsident Roman Herzog erklärte, Augoustinos habe die Tradition des ökumenischen Dialogs vertieft. Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Manfred Kock, sah in dem ökumenischen Mühen einen Schwerpunkt der Arbeit des Metropoliten.
Augoustinos wurde ein erfolgreicher Anwalt der orthodoxen Christen in der Bundesrepublik, die nicht länger als exotische Minderheit galten. So erreichte er, dass die Metropolie als Körperschaft Öffentlichen Rechts anerkannt und orthodoxer Religionsunterricht in einigen Bundesländern als ordentliches Lehrfach an öffentlichen Schulen eingeführt werden konnte. Er machte seine Metropolie zum “Stolz und zur Zierde des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel”, wie der österreichische Metropolit Michael Staikos würdigend zum 60. Geburtstag von Augoustinos hervorhob.
Ökumene und die Integration orthodoxer Christen haben auch eine unübersehbare politische Dimension. So anerkannte Bundeskanzler Helmut Kohl, der Metropolit habe maßgeblich zu einem guten und vertrauensvollen Verhältnis zwischen seiner Kirche und dem deutschen Staat beigetragen.
Augoustinos Labardakis wurde am 7. Februar 1938 auf Kreta geboren. Nach seinem Theologiestudium in der Orthodoxen Theologischen Akademie auf Chalki bei Istanbul, der bis zu ihrer Schließung durch den türkischen Staat bedeutendsten geistlichen Ausbildungsstätte der Weltorthodoxie, wechselte er zum Weiterstudium nach Salzburg, Münster und Berlin. Der 1964 zum Priester geweihte Theologe betreute als Pfarrer in West-Berlin auch die orthodoxen Christen im Ostteil der damals geteilten Stadt. 1972 wählte ihn die Heilige Synode des Ökumenischen Patriarchats zum Vikarbischof der Metropolie von Deutschland und im selben Jahr wurde er als erster griechisch-orthodoxer Bischof in Deutschland geweiht. Augoustinos war in den siebziger Jahren Vorsitzender des Ökumenischen Rates der Kirchen in Berlin, und arbeitete in mehreren Dialogkommissionen mit. 1980 trat er die Nachfolge von Metropolit Irinaios an, der nach Kreta zurückkehrte und das Bistum Kissamos und Selinon übernahm. Die Amtseinführung des neuen Metropoliten fand am 8. November 1980 in der Kathedralkirche Agia Trias in Bonn statt.
Augoustinos beherrscht nicht nur die wissenschaftliche Theologie und Ökumene, die er in zahlreichen Veröffentlichungen und Vorträgen verständlich vermittelt, er ist auch fähig zu einer “Ökumene des Herzens”, die Vertrautheit und Verbundenheit schafft. Die selbstverständliche herzliche Gastfreundschaft in der Metropolie ist nur ein Beleg dafür. Es verwundert auch nicht, dass die jüngsten Irritationen im Ökumenischen Rat der Kirchen und die wieder aufbrechenden Gräben zwischen West- und Ostchristen keine Auswirkungen auf die Metropolie haben und sich Augoustinos ausdrücklich für eine Beibehaltung ökumenischer Gottesdienste ausgesprochen hatte.