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Oberbürgermeister Christian Ude
Landeshauptstadt München

Grüßwort
beim Festakt aus Anlass des 60. Geburtstags
von Erzpriester Apostolos Malamoussis

(München, 4. Juli 2007)

OH MEIN GOTT!

Was erwartet eine Festversammlung vom neunten Redner außer Kürze. Wahrscheinlich gar nichts. Ich will es also in der knappest möglichen Form versuchen, Wiederholungen, vor allem bei der Anrede zu vermeiden. Es sind ja so viele hochkarätige Repräsentanten, dass man mit ihrer Erwähnung allein schon die Redezeit ausfüllen kann.

Lieber Vater Apostolos, dass Sie nicht nur von den Gläubigen Ihrer Gemeinde, sondern allgemein in der Münchener Stadt so genannt werden, ist schon die erste Sensation. Sie werden nicht als Kirchenmann von Beruf wahrgenommen, nicht als professioneller Seelsorger, sondern als die Seele der griechischen Gemeinde, die in der Stadt gegenwärtig und bekannt ist, und Ihr Auftreten ist durch die besten väterlichen Eigenschaften gekennzeichnet. Nicht um Glanz streben, das ist der verbreitete Irrtum, sondern milde, sanftmütige Fürsorge, die man aber, wie der Metropolit zurecht gesagt hat, nicht unterschätzen sollte, weil sie mit einer geradezu beängstigenden Beharrlichkeit einhergeht. Ich habe das selber wiederholt erlebt, wenn Sie mit einer Idee kommen wie vor ein paar Jahren für bayerisch-griechische Kulturtage, denkt man erst ein sanfter Träumer, und man versichert ein gewisses Wohlwollen, und drei Tage später bekommt man einen Brief, welche Zusagen die Landeshauptstadt München rechtsverbindlich gemacht hat, um das Projekt zu unterstützen, aber dann will man auch nicht mehr so sein und setzt halt um, was einem aufgetragen wurde.

Verehrter Vater Apostolos Sie haben auch Bilder in unseren Köpfen zurechtgerückt, zum Beispiel das Bild von der Orthodoxie. Jetzt bitte ich die zahlreichen Anwesenden um Verständnis, aber wir nicht orthodoxen Christen haben von der Orthodoxie seit dem Religionsunterricht ein wenig die Vorstellung, das gehe mit besonderer Strenge und manchmal auch Enge und Buchstabentreue und kirchengeschichtlicher Verwurzelung einher. Sei also vielleicht nicht so ganz auf der Höhe der Zeit und der Offenheit und der Modernität. Sie haben, kraftvoll unterstützt vom Metropoliten, uns ein vollkommen neues Verständnis der Orthodoxie verschafft. Nicht als strenge Glaubensdogmatik, sondern als eine in allen Lebensfragen sehr pragmatische Religion, die aber um ihre Wurzeln weiß und sie nicht verrät, sich aber dennoch immer wieder der Menschen und menschlicher Konflikte und Schicksale annimmt. Für diese Korrektur unseres Bildes der Orthodoxie bin ich Ihnen und dem Herrn Metropoliten sehr dankbar, wobei ich jetzt nicht kirchengeschichtlich, aber familienrechtlich viel dazugelernt habe: Wenn der Metropolit der Vater aller Priester ist, dürfen wir wohl Opa zu ihm sagen.

Das Zweite, meine Damen und Herren, was Sie zurecht gerückt haben, ist auch ein wenig das Bild der Griechen, von denen wir in früheren Jahrzehnten gesagt haben, man könne mit ihnen, weil sie fabelhafte Leute sind, über alles reden, ganz vernünftig, außer über Türken, und umgekehrt galt dasselbe angesichts tief greifender Spannungen.

Vor diesem Hintergrund sind wir gleich nochmal dankbarer, dass Sie Ihr Bemühen um Verständigung zwischen den Glaubensgemeinschaften nicht auf die christliche Familie einengen, und auch nicht nur die israelitische Kultusgemeinde einbeziehen, sondern den Brückenschlag auch  Menschen islamischen Glaubens in dieser Stadt anbieten, und bei allen Aktivitäten für eine Moschee in München waren sie dabei. Das ist als Beitrag zur Versöhnung zwischen Griechen und Türken in München und zwischen den Weltreligionen gar nicht zu überschätzen, was Sie hier atmosphärisch in Ihrer typischen Art geschafft haben.

Und als Vertreter der Stadt möchte ich noch einen Gedanken hinzufügen. Sie sind seit über 10 Jahren im Bündnis für Toleranz, Demokratie und Rechtsstaat dabei. Wo immer es galt, Rechtsradikalismus, Antisemitismus, ausländerfeindliche Gewaltbereitschaft zu bekämpfen und entgegenzutreten, waren Sie spontan und sofort bei der Stelle mit aktiver Unterstützung ihrer Gemeinde. Auch das ist ein Beitrag, dass das Klima in dieser Stadt gut und angenehm und friedlich ist.

Es ist also überhaupt nicht uneigennützig, wenn ich Ihnen im Namen der Bürgerschaft sage:

Wir wünschen ihnen noch viele Jahre in Ihrer Verantwortung. Wir wissen, dass es da Träume gibt, die in Richtung der griechischen Heimat gehen. Aber das muss man ja nicht überstürzen.

Sie werden hier gebraucht und haben eine ganz wichtige und ausnehmend positive Ausstrahlungskraft auf diese Stadt, dazu ein herzliches Dankeschön.

 

Text ins Schriftliche übertragen von Tonbandaufnahme. In Klammern gesetzte ausgelassene Stellen sind nicht gut zu hören.


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