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Friedrich Kardinal Wetter
apostolischer Administrator
der Erzdiözese München und Freising

Laudatio
auf
Erzpriester Apostolos Malamoussis

(München, 4. Juli 2007)

In diesem Jahr kann die Familie Malamoussis auf verschiedene Gedenktage zurückblicken, vor wenigen Tagen hat Vater Apostolos sein 60. Lebensjahr vollendet, das war am 25. Juni, am 30. Juni 1972 war Hochzeit, also vor 35 Jahren, hinzukommt die Priesterweihe vor 35 Jahren, ebenfalls 1972, und dann die Übersiedlung nach Münster vor 25 Jahren.

Diese Gedenktage haben uns heute zusammengeführt, um mit Vater Apostolos und seiner Familie Rückschau zu halten und Gott zu danken.

In dieser Kirche ist kaum jemand, außer dem Metropoliten, der die Familie Malamoussis so lange kennt wie ich. Das ist wohl auch der Grund, weshalb mir die Ehre zu Teil wurde hier zu ihnen sprechen zu dürfen, und so möchte ich mit einigen biographischen Erinnerungen beitragen zu dieser Festfeier.

Nach der Priesterweihe, 1972, kam Vater Apostolos nach Ludwigshafen, das war seine erste Stelle. Ludwigshafen ist bekanntlich Bistum Speyer, und ich war damals Bischof von Speyer, und wir hatten der griechisch-orthodoxen Kirche in Ludwigshafen einen Gottesdienstraum zur Verfügung gestellt, und das war Anlass, dass wir uns sehr schnell kennen lernten. Es entstand ein vertrauensvolles Verhältnis, das sich sehr schnell zur Freundschaft entwickelte. Ich konnte auch manche Hilfe geben, ich habe miterlebt wie die Familie wuchs, die Töchter kamen alle in Ludwigshafen zur Welt, Olga, Zoi, Anastasia, Theodora. Sie brauchten eine angemessene Wohnung und da hat sich eine gute Lösung gefunden, und wenn die Kinder im Fernsehen mich sahen, dann riefen sie: „unser Bischof“, und der Metropolit hat nie Einspruch erhoben. So hat die Familie in Ludwigshafen eine Heimat gefunden, auch die Priester des Dekanats Ludwigshafen haben Vater Apostolos aufgenommen als einen der ihren. Und so war es ein schönes Miteinander und auch eine Bereicherung für die katholische Kirche Ludwigshafen, vor allem im Bistum durch das orthodoxe Leben. Alles lief gut!

Bis zum September 1982. Vater Apostolos kam zu mir, etwas traurig, er eröffnete mir: „Mein Bischof versetzt mich nach München.“ Und er sagte dabei, ich habe es heute noch im Ohr: „wenn die Kirche ruft, muss der Priester gehen.“ Und nicht nur der Priester, die Familie musste mitgehen. Er ging also nach München ich war damals ahnungslos, dass ich ihm folgen werde,  aber einen Monat später wusste ich, dass ich auch nach München gehe und so wurde ein Orthodoxer mein Vorläufer. In München leben wir nun 25 Jahre miteinander, die Freundschaft hat sich vertieft, sie können das an einem Beispiel sehen: Als ich 1985 in Rom war und in das Kardinalskollegium aufgenommen wurde staunte ich, denn die ganze Familie Malamoussis war gekommen um mit zu feiern, ich habe sie auch bei der Audienz zum Heiligen Vater mitgenommen und hab sie vorgestellt, der Papst fragte: „Griechen?“ Er hat seinen Ohren nicht getraut. […]

Eine besondere Freude war es für mich, dass hier diese Kirche entstehen konnte, dass das Provisorium abgelöst werden konnte, auch die notwendigen Räumlichkeiten, im Pfarrhaus und den amtlichen Räumen für die Seelsorge erstellt werden konnten, so ist hier diese Kirche wirklich das Zentrum griechisch-orthodoxen Lebens in München geworden. Der Tüchtigkeit von Vater Apostolos ist es zu verdanken, dass diese Kirche auch so herrlich ausgeschmückt wurde, eine Münchener Sehenswürdigkeit heute. Wie tief die Verwurzelung der Familie hier schon gediehen ist, dass sehen wir daran, das die Großmutter, die über hundertjährige Großmutter, hier drüben gleich hinter der Mauer, im Nordfriedhof ihr Grab findet. Wenn ich auf die Jahre zurückschaue, dann bin ich dankbar für das Beispiel, was uns Vater Apostolos mit seiner Familie gegeben hat, ein Musterbeispiel der Integration, dass wird sichtbar an den Kindern. Sie haben alle ihr Hochschulstudium hier in München absolviert und mit Bravour absolviert, sprechen die beiden Sprachen, man merkt nicht, wenn sie Deutsch sprechen, dass sie Griechen sind und umgekehrt natürlich auch nicht. Und das ist ein Zeichen, dass sie die

beiden Kulturen in sich vereinen können. Ihre griechische Kultur, die sie von den Eltern empfangen haben, die haben sie nicht verloren, und sie haben die deutsche Kultur hinzugewonnen, als Bereicherung. Wir sehen gerade hier, wie wichtig es ist, wenn Integration gelingen soll, dass die zu uns Kommenden angenommen werden, dass sie willkommen sind, dass Gefühl haben, willkommen zu sein. Aber die Hauptsache müssen sie selbst leisten, die Kunst, den Schatz der eigenen Kultur zu erkennen und ihn nicht preiszugeben, sondern sogar den Kindern weiterzugeben, und zugleich den Reichtum der neuen Kultur zu erkennen, zu entdecken und miteinander zu verbinden, nicht in einer verfälschenden Vermengung sondern in gegenseitiger Erweiterung und Bereicherung. Familie Malamoussis hat dieses Kunststück vollbracht und ist uns hier wirklich ein Vorbild, und für diese Leistung dürfen wir ihnen gratulieren.

Noch ein zweites Beispiel, auch ein Musterbeispiel, ökumenische Gemeinschaft. Es genügt nicht, um die große Nähe im Glauben zu wissen, theologisch diese Nähe zu kennen, man muss sie auch erfahren. Und das konnte man bei Vater Apostolos erfahren, die Nähe ist so groß, dass es eigentlich nur eines Schrittes bedarf. Diese Nähe ist auch am Fronleichnamsfest dokumentiert worden, als Vater Apostolos mit uns das Allerheiligste begleitete auf der Fronleichnamsprozession. So nah wir uns im Glauben stehen, wir wissen doch auch darum, dass der letzte Schritt noch nicht getan ist. Wir haben noch nicht die Grenze überschritten. Wir sind uns immer gegenseitig mit Respekt begegnet, nie hat es eine Verstimmung oder eine Täuschung gegeben, so konnte Nähe erfahren werden und so konnte auch Gemeinsames gelingen.

Dieses Fest heute soll Anlass sein, zu danken für diese vorbildliche Ökumene, diese Gemeinschaft, die wir im Glauben erfahren durften. Durch Vater Apostolos hat sich die griechisch- orthodoxe Kirche hier in München einen Namen gemacht. Und so leuchtet in München am Horizont der Zukunft auf, dass die Kirche bald wieder mit zwei Lungenflügeln atmen darf. Ein Zeichen der Hoffnung auf die volle Einheit. [...] Und so gratulieren wir Ihnen, Vater Apostolos, und der ganzen Familie, und wir wünschen Ihnen Gottes Segen für eine gute weitere Zukunft hier in der Pfarrei in München und in der Familie. Gottes Segen .

 

Text ins Schriftliche übertragen von Tonbandaufnahme. In Klammern gesetzte ausgelassene Stellen sind nicht gut zu hören .


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