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12.05.2014 22:30 Alter: 6 yrs

ANSPRACHE

SEINER ALLHEILIGKEIT DES ÖKUMENISCHEN PATRIARCHEN BARTHOLOMAIOS


NACH DER DOXOLOGIE

IN DER METROPOLITANKATHEDRALE

HAGIA TRIAS IN BONN

 13. Mai 2014

 

Hochwürdigster und von Gott geschenkter Oberhirte dieser von Gott behüteten Diözese, geliebter Mitbruder in Christus, Metropolit Augoustinos,

Hochwürdigste Mitbrüder im Bischofsamt,

Exzellenzen, sehr geehrter Vertreter der Behörden,

Ehrwürdige Priesterschaft und Diakonat in Christus,

Von Gott gesegnete Christen!

 

Christus ist auferstanden!

Ehre und Lobpreis senden wir von Herzen unserem von den Toten auferstandenen Herrn, wir alle, die wir hier versammelt sind, denn er hat unsere geringe Person gewürdigt mit Ihnen allen heute hier zu sein und ihre fröhlichen Gesichter zu sehen in dieser wunderschönen Metropolitankathedrale Hagia Trias, wo durch die Feier der Göttlichen Liturgie und den Empfang des kostbaren Leibes und des Allheiligen Blutes Christi Heiligung geschenkt wird “zur Vergebung der Sünden, zum ewigen Leben und zur guten Rechenschaft vor dem furchterregenden Richterstuhl Christi«; hier wird das Mysterium des Heils gefeiert, und es werden Gebete und Bitten für den Frieden der Welt, die Standhaftigkeit der heiligen Kirchen Gottes und die Einheit aller emporgesandt. Auch in dieser Kirche also wird das gesamte Mysterium des Lebens und des Heils gefeiert. Ehre und Lobpreis Gottes bedeutet: «zusammengefügt sein, vereint sein, gemeinsam lobpreisen, den Schwächeren stützen, das abgerissene Mitglied nicht verachten» (Johannes Chrysostomus, 29. Kommentar zum Römerbrief, P.G.60,649).

Wir statten derzeit dieser Metropolie des  Ökumenischen Patriarchats einen offiziellen Besuch ab, wir tun dies auf freundliche Einladung eures hochwürdigsten Oberhirten, unseres geliebten Bruders in Christus und Mitliturgen, des Metropoliten Augoustinos und befinden uns heute in dieser Metropolitankirche, welche die Frucht der besonderen orthodoxen christlichen Opferbereitschaft ist. Wir alle feiern gemeinsam ein historisches Jubiläum orthodoxen Lebens und orthodoxer Präsenz auf dem Gebiet des deutschen Staates, es vollenden sich 50 Jahre eines ständigen Wachsens bis zur allgemein anerkannten Blüte dieser Metropolie, die ein Modell und ein Beispiel zur Nachahmung ist.

Es stimmt, dass die Wege des Herrn unerforschlich sind, wie wir aus  der Geschichte lernen, sowohl aus der weltlichen, als auch aus der kirchlichen. Ereignisse und Handlungen, Phänomene, die von außen durch die überholte menschliche Logik als tragisch und als Ursache vieler Übel angesehen werden – und in der Tat unseren Vätern tatsächlich diese Übel hervorgerufen haben - haben in sich einen göttlichen Plan, der sich erst in der Folge und der weiteren Entwicklung der Ereignisse offenbart und zeigt und der zur Ursache und zum Anlass vieler guter Früchte wird, so wie es die Redensart sagt «aus Dornen wird eine Rose«

So gesehen hatten zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts die großen Wanderungsbewegungen orthodoxer Bevölkerungsgruppen aus Kleinasien und anderswo zur Folge, dass diese ins Ausland wanderten, und zwar nach Westeuropa und Amerika und Australien und an andere Orte der Welt und dass sich auf diese Weise in diesen Erdteilen die wenig bekannte Orthodoxie ausbreitete und bekannt wurde, und heute dort organisierte kirchliche Diözesen unseres Ökumenischen Patriarchats Millionen orthodoxer Migranten und einheimischer Gläubigen betreuen.

Das gleiche gilt auch im Fall unserer Metropolie von Deutschland, die in diesem gastfreundlichen und zivilisierten Land ihre Tätigkeit ausübt. Noch bevor die Wiedervereinigung der zwei Teile des Landes stattfand und nur wenige Jahre nach dem Ende des katastrophalen Zweiten Weltkriegs, dessen Wunden sich noch nicht geschlossen hatten, begann mit jener Disziplin, für die das hochgeschätzte deutsche Volk bekannt ist, der dynamische und entschlossene allgemeine Wiederaufbau der staatlichen Strukturen, was sofort Fachkräfte erforderte, welche den Stein, den Ziegel, das Getreide, das Eisen bearbeiten sollten, damit sozusagen aus der Asche des Krieges das Haus wieder aufgebaut werden sollte, dass also die Wiederherstellung dieses Staates Wirklichkeit werden sollte. Um dieses Bedürfnis zu befriedigen und entscheidende Beiträge zum Wiederaufbau zu leisten, kamen hunderte orthodoxer Gläubigen nach Deutschland,die ihrer Tradition folgend sich als erstes in Gemeinden organisierten und den Erwerb orthodoxer Gottesdienststätten betrieben.

Zunächst wurden natürlich Räume oder Kirchen verwendet, die von den Römisch-katholischen oder evangelischen Christen freundlicherweise zur Verfügung gestellt oder vermietet wurden, damit die traditionelle Frömmigkeit der ersten Orthodoxen, die sich hier niedergelassen hatten, ihren Ausdruck finden konnte.

Mit der Zeit organisierte sich von Tag zu Tag die inzwischen auf Initiative und in der Weitsicht des ökumenischen Patriarchats im Jahr 1963 durch einen Patriarchalen und Synodaltomos und durch Loslösung vom Erzbistum Thyteira gegründete Griechisch-Orthodoxe Metropolie von Deutschland; dies geschah unter der unmittelbaren Leitung und der ständigen Fürsorge der inzwischen verstorbenen Metropoliten Iakovos, Polyefktos und Irineos und des jetzigen gottliebenden Oberhirten, d.h. unter Ihrer Leitung, verehrter Metropolit von Deutschland, der Sie ihren langjährigen Dienst mit dem Aufbau und dem Ausbau der Tätigkeiten Ihrer Metropolie identifiziert haben, und so begann mit Hilfe Ihrer lobenswerten jeweiligen Mitarbeiter der Neubau prächtiger orthodoxer Kirchen, etwa dieser Kathedrale. So kommt es, dass die Griechisch-Orthodoxe Metropolie heute darauf stolz sein kann, dass sie durch bewegende Spenden der frommen Migranten und zum Teil auch durch großzügige Hilfe der römisch-katholischen und der evangelischen Kirche etwa 60 eigene Kirchengebäude besitzt, die auf dem Gebiet der gesamten Bundesrepublik Deutschland verstreut sind.

Bei dieser Gelegenheit möchten wir auch von dieser Stelle den Dank und die Anerkennung der Großen Kirche Christi, des Ökumenischen Patriarchats, an alle brüderlich helfende deutsche Geschwister aussprechen, an die Geistlichen und die Behörden, dass sie diese Unterstützung für die orthodoxen Gläubigen gezeigt haben und weiterhin zeigen, damit die kirchliche Verwaltung unserer Griechisch-Orthodoxen Metropolie ihre Arbeit in Freiheit leisten kann, immer nach den vorherrschenden Sitten und den Gesetzen dieses großen Landes.

Wir kommen vom Phanar, dem Lebenszentrum und Ort des Zeugnisses der orthodoxen Kirche, von wo wie aus einer Wurzel sich als Zweige weltweit die orthodoxen Kirchen und Bistümer ausbreiten und ausstrahlen, unter denen Ihre blühende kirchliche Diözese, verehrter Metropolit von Deutschland, eine besondere Stellung einnimmt; wir bringen Ihnen allen die Liebe und den Segen der Mutterkirche, der heiligen Großen Kirche Christi, die ohne Unterlass erfährt, was Ihr, liebe Orthodoxe in Deutschland, Gutes und Lobenswertes tut und erreicht in dieser eurer zweiten und neuen Heimat; wir hören von eurer Liebe und dem Respekt, den ihr eurem hochwürdigsten und aktiven Oberhirten zeigt, ebenso wie den hochwürdigen Bischöfen, den Kirchengemeinden und euren rechtschaffenen Priestern, und preisen den Allguten Gott, der den Ökumenischen Thron, unser Patriarchat, mit einem lebendigen Bistum wie dem eurigen und mit einem Gottesvolk, das so gesegnet und gottliebend ist wie es das orthodoxe Volk in Deutschland ist, schmückt.

An dieser Stelle möchten wir festhalten, dass, was immer wir auch Gutes auf Erden schaffen, immer ein Verfallsdatum hat, wenn es nicht das Siegel Gottes trägt, da es nicht Teil hat an der Ewigkeit, welche nur die in Gott Lebenden bereits während dieses Lebens erfahren können. Und das Siegel Gottes ist das Gedenken, dass wir vollziehen und stets erleben bei der Feier des Mysteriums der göttlichen Heilsökonomie. Es ist das heilsame Gedenken also «des heilbringenden Gebotes und all dessen, was für uns geschehen ist, des Kreuzes, des Grabes, der Auferstehung am dritten Tage, der Auffahrt in die Himmel, des Sitzens zur Rechten und der zweiten und herrlichen Wiederkunft ».

Dieses Gedenken, die Fürbitte und das Gebet um «seines Namens willen», also des Namens des Herrn, rettet uns und ist deshalb auch beständig.

Väterlich ermahnen wir euch alle den Klerus und das Volk: bleibt auf diesem gesegneten Weg in der Kirche. Ihr werdet persönlich feststellen, so wie alle, die bisher auf diese Art und Weise gelebt haben, dass es keine liebendere Mutter gibt als die Kirche. Unsere leiblichen Mütter lieben uns so lange sie auf Erden leben. Unsere geistliche und gemeinsame Mutter aber, die Orthodoxe Kirche, erinnert sich unser im Gebet bis ans Ende der Zeiten, sie gedenkt in uneigennütziger Liebe eines jeden von uns in den Göttlichen Liturgien und den Totengedächtnissen, ohne von uns deshalb irgend eine Gegengabe zu erwarten.

Wir sind gesegnet, meine Brüder und Schwestern, meine Kinder, denn wir folgen unbeirrt dem von unserem Herrn den heiligen Aposteln und Vätern der Kirche übergebenen rettenden Glauben. Väterlich ermahnen wir euch: widmet euch eifrig diesem unerschöpflichen geistlichen Schatz des orthodoxen Glaubens und lebt, wie es sich für orthodoxe Christen ziemt, mit sakramentalem Leben, mit der Beichte, mit dem Empfang der hl. Kommunion, mit dem Studium der heiligen Schriften und der Lebensbeschreibungen unserer Heiligen; werdet reich an Taten der Nächstenliebe und der Geschwisterliebe, des Gebetes und des Fastens; so werdet ihr euch erweisen als Kinder des Lichtes Christi und des Tages, wie es das Evangelium bezeichnet; beachtet die Vorschriften dieses Landes als gesetzestreue Bürger und so werdet ihr, ein jeder von euch und alle zusammen, die wahre und unerschütterliche Heimat erlangen, das ersehnte Paradies.

Wir sprechen unseren Dank aus für den festlichen Empfang, den Sie uns bereitet haben, und bitten zum Herrn, er möge Sie alle in Gesundheit und Wohlergehen am Leib und Seele erhalten, in Fortschritt in allen Bereichen Ihres persönlichen, familiären und beruflichen Lebens erhalten, damit der «ehrwürdige und hocherhabene» Name des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes gepriesen werde, der einen verehrten Dreiheit. Ihre Gnade und ihr Erbarmen seien immerdar mit euch allen, geliebte Geschwister und Kinder. Amen.