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29.01.2019 01:33 Alter: 18 days

Worte des Dankes bei der Verleihung des Ökumene-Preises

Metropolit Augoustinos von Deutschland Exarch von Zentraleuropa


(Berlin, 24. Januar 2019)

 

Sehr geehrter Herr Bundespräsident Wulff,

Sehr geehrter Herr Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland, lieber Bruder Wiesemann,

Sehr geehrter Herr Vorsitzender des Ökumenischen Rates Berlin-Brandenburg, lieber Vater Emmanuel,

Eminenzen, Exzellenzen, meine Damen und Herren,

liebe Brüder und Schwestern!

 

Als mich die Nachricht von der Verleihung des Ökumene-Preises erreichte, war dies eine Überraschung für mich. Neben der Tatsache der Preisverleihung hatte ich - trotz meiner jahrzehntelangen Vertrautheit mit diesem Land und seiner Sprache – darüber hinaus auch ein sprachliches Überraschungsmoment. Solche Momente kann man mit seiner Muttersprache, aber gerade auch mit einer erlernten Sprache erleben. Beim Lesen des Wortes „Ökumene-Preis“ fiel mir nämlich auf, dass ein Preis im Deutschen ja nicht nur etwas ist, mit dem man belohnt oder geehrt wird. Nein, ein Preis ist ja auch etwas, das man zahlen muss. Der Ökumene-Preis, den Sie mir freundlicherweise in dieser wunderbaren konzertierten Aktion verliehen haben, liebe Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland und des Ökumenischen Rates Berlin-Brandenburg, kann also eine Ehrung sein und so habe ich Ihre heutige Geste und Worte verstanden und gewürdigt. Und gleichzeitig kam mir damals, wie gesagt, der verwegene Gedanke: Was ist eigentlich der Preis, den ich, Augoustinos, den wir als Christinnen und Christen und als Kirchen für die Ökumene zahlen müssen? Welchen Preis fordert die Ökumene von uns allen, von mir? Was ist der Ökumene-Preis in diesem Sinn?

Ein Blick zurück kann da hilfreich sein: Als ich Anfang der 60er Jahre nach Deutschland kam, beschränkten sich meine ökumenischen Erfahrungen im Grunde auf die akademischen Vorlesungen meiner Professoren in Chalki. Eines konnte man in Chalki besonders gut lernen: das Lernen! Und so kam ich nach Salzburg und Münster, später dann hierhin nach Berlin, mit einem ökumenischen Heißhunger, die hiesige kirchliche Realität erleben und erlernen zu wollen. 

Der erste Schritt der Ökumene war also dieses Kennen-Lernen der Anderen, das sich – wenn dies nicht zu pathetisch klingt – bis heute fortsetzt. Und das Erkennen des Anderen bewirkt stets auch ein Erkennen meiner selbst und das Erkennen meiner Kirche. 

Der „Preis der Ökumene“, den es zu zahlen gilt, ist also immer das Verlassen jener „splendid isolation“, in der wir alle uns jahrhundertelang wohlgefühlt haben. Ökumene bedeutet sozusagen das Aufgeben der behaglichen Nestwärme, um sich den rauen Wind der interkonfessionellen Realität um die Ohren wehen zu lassen. Und sie bedeutet natürlich auch ein Verlassen des Sockels, auf den wir uns so gerne als Kirchen bzw. als Kirchenvertreter stellen, um uns dann auf Augenhöhe einander zu begegnen.

Dies wurde im Folgenden mein Lebensinhalt und meine lebenslange Aufgabe: Neben dem Aufbau unserer Griechisch-Orthodoxen Metropolie von Deutschland ex nihilo, die heute ein anerkannter und glaubwürdiger Partner der deutschen Ökumene ist, galt es dieses Miteinander auf Augenhöhe zu finden und beizubehalten. Dass heute der Ökumenische Rat Berlin-Brandenburg einen orthodoxen Vorsitzenden hat, ist ein Ausdruck dieser Augenhöhe; als ich selbst 1973 dieses Amt antrat, war es ein Novum.

Ein weiterer Preis, den es in einer Welt, die von Ungleichzeitigkeit geprägt ist, zu zahlen galt, war das Unvermögen mancher Zeitgenossen auch aus der eigenen Kirche, die Zeichen der Zeit bzw. die ökumenische Bewegung überhaupt zu verstehen. Lange bevor es die heutigen elektronischen Medien mit der bekannten lawinenartigen Vermehrung der Verurteilungen und Schmähungen gab, musste ich erleben, für diese meine ökumenische Einstellung beschimpft zu werden. 

Als jenes Foto verbreitet wurde, lieber Bischof Wiesemann, das uns beim gemeinsamen Taufgedächtnisgottesdienst in Trier zeigt, auf dem Sie meine Stirn mit Wasser bezeichnen, hieß es in der griechischen Presse, Metropolit Augoustinos lässt sich hier von einem römischen Kardinal firmen oder sogar wiedertaufen. 

Auch dies war so ein Preis, den es für die Ökumene zu zahlen galt. 

 

Ein weiterer Preis der Ökumene schließlich ist natürlich die Zeit, die man investiert, um an ihren Veranstaltungen, Sitzungen und Gottesdiensten teilzunehmen. Und natürlich kommt noch die jeweilige Anreise dazu: Es werden schon einige tausend Kilometer gewesen sein, die ich in den Jahren 1978 bis 2007 zurückgelegt habe, um ökumenisch präsent zu sein. (In diesen Jahren war ich stellvertretender Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland.) Und gleiches gilt auch für die Zeit davor und danach, eigentlich bis heute. Lassen Sie es mich aber in aller Deutlichkeit sagen: Für mich war es keine verlorene Zeit, es war vielmehr eine geschenkte Zeit! 

Ich danke Ihnen, lieber Herr Bundespräsident, für Ihre freundlichen und wertschätzenden Worte. Ich empfinde die Tatsache, dass Sie heute die Laudatio gehalten haben, eben so wie das Geschenk unserer hochachtungsvollen Freundschaft als eine große Ehre und Bereicherung. 

Ich danke Ihnen, liebe Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland und des Ökumenischen Rates Berlin-Brandenburg für die Überraschung und die Freude, die Sie mir heute gemacht haben. Und ich danke Ihnen allen für Ihr Kommen. 

Gott segne Sie und Ihre Familien, Ihre Kirchen und Ihre – nein unsere! – Arbeitsgemeinschaften.

Vielen Dank!