Osterbotschaft 2026 des Metropoliten Augoustinos von Deutschland, Exarchen von Zentraleuropa
- vor 15 Stunden
- 3 Min. Lesezeit
„Niemand fürchte den Tod;denn uns hat der Tod des Erlösers befreit.“[1]
Liebe orthodoxe Christen in Deutschland,
heute, im Licht und in der Freude der Auferstehung, wird in unseren Kirchen feierlich einer der bekanntesten Kirchenvätertexte der orthodoxen Kirche verlesen: die sogenannte Katechetische Rede des heiligen Johannes Chrysostomos. Es handelt sich um eine kurze, aber theologisch gehaltvolle Predigt, die den Kern der Osterbotschaft zum Ausdruck bringt: den Sieg des Lebens über den Tod und das Heil als ein Ereignis, das alle und alles umfasst.
Im Herzen der Katechetischen Rede steht die unendliche Menschenliebe Gottes. Der heilige Johannes Chrysostomos betont, dass alle eingeladen sind, an der Freude der Auferstehung teilzuhaben – unabhängig von der Zeit oder der Mühe ihrer geistlichen Vorbereitung. Ob jemand „von der ersten Stunde an“ gearbeitet hat oder erst „in der elften Stunde“ angefangen hat – die Gnade ist dieselbe. Dies offenbart das Grundprinzip des Evangeliums, dass das Heil vor allem ein Geschenk der Gnade ist und nicht das Ergebnis oder die Belohnung menschlicher Leistung. Dieser Ansatz steht in engem Zusammenhang mit dem Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg[2] und zeigt eine Theologie auf, die eine Logik der Gegenleistung übersteigt und die Logik der Gabe und der Liebe eröffnet.
Die Katechetische Rede lehrt uns außerdem, was die Kirche für uns ist: Die Einladung „Nehmet alle teil am Festmahl des Glaubens“ offenbart die Kirche als heilige Versammlung, die niemanden ausschließt. Es gibt keinen Unterschied zwischen Reichen und Armen, zwischen Gerechten und Sündern, zwischen denen, die gefastet haben, und denen, die nicht gefastet haben; alle sind an denselben Tisch geladen. Die Kirche erscheint als Raum der Versöhnung, der Solidarität und der Einheit aller.
Der heilige Johannes Chrysostomos zeichnet ein zutiefst optimistisches Bild vom Menschen: Der Mensch wird letztlich nicht von der Sünde bestimmt, sondern von der Möglichkeit der Entscheidung zur Umkehr und zur Auferstehung. Der Satz „Niemand fürchte den Tod“ bringt jene existenzielle Verwandlung zum Ausdruck, die die Auferstehung schenkt. Der Tod ist nicht mehr das definitive Ende. Christus hat durch seinen eigenen Tod die Natur des Todes umgestaltet. Er hat ihn "zu einem Hinübergang in das Reich Gottes gemacht, indem er die größte aller Tragödien in den höchsten Sieg verwandelte."[3]
Das Verlesen der Katechetischen Rede ist daher nicht nur eine Erinnerung an eine theologische Lehre, sondern eine liturgische Erfahrung. Sie ist in die Freude der Osterliturgie eingebettet und bildet den Höhepunkt der Botschaft, die lautet: Wir alle sind berufen, das Ereignis der Auferstehung persönlich und als Brüder und Schwestern in Christus zu leben.
Die Katechetische Rede des heiligen Johannes Chrysostomos fasst in wenigen Zeilen die Theologie von Ostern mit unvergleichlicher Dynamik zusammen:
• Das Heil ist ein Geschenk der Gnade Gottes;
• Die Kirche steht uns allen offen;
• Der Tod hat nicht das letzte Wort – er ist besiegt;
• Die Freude der Auferstehung erfasst alle und alles.
Es handelt sich also um einen Text, der sich nicht nur an die Gläubigen seiner Zeit richtet, sondern seinen bleibenden Wert als Botschaft der Hoffnung, der Vergebung und des neuen Lebens in Jesus Christus behält. Ihm sei die Ehre und die Macht in die Ewigkeit der Ewigkeit.
Liebe orthodoxen Christen in Deutschland: Christus ist auferstanden!
Bonn, Ostern 2026
Euer Metropolit
† Augoustinos von Deutschland
[1] Hl. Johannes Chrysostomos, Katechetische Rede.
[2] Mt 20,1-16.
[3] Alexander Schmemann, Die Große Fastenzeit - Askese und Liturgie in der Orthodoxen Kirche, übersetzt aus dem Englischen von Elmar Kalthoff, Veröffentlichungen des Instituts für Orthodoxe Theologie, Band 2, München 1994, S.11.



Kommentare