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Begrüßung bei der Feier der Theophanie 2024 in Berlin

Metropolit Augoustinos von Deutschland


Sehr geehrter Herr Bundespräsident,

sehr geehrte Frau Büdenbender,

 

„Ὁ ἄνθρωπος ἁγιάζει τὸν τόπον.“ „Der Mensch heiligt den Ort, an dem er sich befindet.“ Dieses Sprichwort, das bereits in der Antike bekannt war, verwenden die heutigen Griechinnen und Griechen immer noch. Und es hat auch in den Sprachgebrauch anderer Völker Einzug gefunden, insbesondere jener, die ebenfalls der orthodoxen Kirche angehören. Ursprünglich wurde es verwendet, um die Gleichwertigkeit und Ebenbürtigkeit aller Herkunftsorte auszudrücken: „es ist nicht wichtig, woher man stammt, es geht darum, wie man sich dort verhält, wo man lebt!“ An einem Tag wie heute hören wir es noch einmal ganz anders. „Der Mensch heiligt den Ort“ bedeutet für uns, die wir gerade die Theophanie, also das Erscheinen Gottes in der Person Jesu Christi am Jordan feiern, dass wir diesen Jordan auch am Ufer der Ägäis, am Schwarzen Meer oder, wie heute, an der Spree sehen. „Der Mensch heiligt den Ort“ bedeutet für uns, dass wir die Heiligkeit des Ortes und der Welt, die uns umgibt, erkennen. Nicht wir sind es, die das Wasser heiligen oder segnen, vielmehr erkennen wir die bereits vorhandene Heiligkeit des uns von Gott geschenkten und durch Jesu Taufe geheiligten Wassers. So kommt es, dass man den orthodoxen Christinnen und Christen eine besondere Affinität für die uns alle beschäftigenden Fragen der Umwelt nachsagt, eben weil wir in der Schöpfung stets den Schöpfer selbst suchen und erkennen wollen.

 

Viele der heute hier Anwesenden, sehr verehrter Herr Bundespräsident, sind vor Jahren zur Arbeit oder zum Studium nach Deutschland gekommen, andere haben hier als Flüchtlinge Schutz gesucht, andere sind Kinder oder Kindeskinder von solchen Migrantinnen und Migranten. Allen gemeinsam ist, dass sie zunächst tatsächlich unterwegs waren auf der Suche nach Arbeit, nach Freiheit, nach Demokratie, kurz: nach einer besseren Zukunft. Im übertragenen Sinne sind aber auch die, die inzwischen hier sesshaft geworden sind, immer noch unterwegs. Denn sie sind auf der Suche nach dieser Heiligkeit, von der ich sprach, und sie finden sie in der Person ihrer Mitmenschen, in der sie umgebenden Gesellschaft, in ihrer Umwelt. Diese geistliche Suche feiern wir orthodoxen Christen heute und wir danken Ihnen, dass Sie uns an diesem Tag physisch begleiten, so wie Sie es an den anderen Tagen des Jahres mit Ihrem Reden und Handeln tun.

 

Liebe Anwesende, liebe Gemeinde! Für das gerade angebrochene neue Jahr wünsche ich ihnen von Herzen Gottes reichen Segen. Bleiben Sie gesund! Bleiben Sie – wie in den vergangenen Jahren – aktive und konstruktive Mitglieder unserer Kirche und der Gesellschaft, in der wir leben! Treten Sie weiterhin – gemeinsam mit den Mitgliedern der anderen Kirchen - ein für Dialog und Toleranz, für Glaubwürdigkeit und Integration, und vor allem für den Frieden! Und erzählen Sie Ihren Nachbarn und Freunden - und später einmal Ihren Kindern und Kindeskindern - vom heutigen Tag: als der Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland dabei war, als wir an diesem Fluss gemeinsam die Heiligkeit Gottes in Seiner Schöpfung gefeiert haben.

 

Vielen Dank!




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